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Feb 05 2013

Senryu über Go

Go ist, wie Schach auch, ein Kulturspiel; was meint, es ist  schon so lange in der Welt und so tief mit allem und jedem verflochten, dass es nicht Wunder nimmt, wenn es auch in der chinesischen und japanischen Literatur allgegenwärtig ist – im Roman genauso wie im Gedicht.

In Japan gibt es zum Beispiel die Gedichtform des Senryu, ein Kurzgedicht, äußerlich gleich dem bekannteren Haiku, inhaltlich aber weniger mit der Natur befasst als mit dem Menschen, es ist persönlicher und oft nicht ohne Humor.

Solche Senryu gibt es nun auch über Go. Das allerbekannteste dürfte dieses sein:

Tatta hito-ban to
uchihajimeta wa
sakujitsu nari

Ein (ungelenker) Versuch auf Deutsch:

Nur eine Partie, sagten sie,
und begannen zu spielen;
das war gestern.

Die Beliebtheit verwundert nicht wirklich, denke ich; beschreibt das Gedicht doch auf kleinstem Raum ein Geschehen, dass nicht nur jeder Go-, sondern auch jeder Schachspieler bestens kennt – und vermittelt darüber hinaus schon eine Ahnung von der Anziehungskraft solcher Spiele.

Das ist schon an sich ein spannendes Thema, der Grund aber, warum ich gerade heute darauf zu sprechen komme, ist  dieser:

Mir ist gerade eine Mail ins Postfach getrudelt mit der Ausschreibung für den 1. Lippstädter Haiku-Wettbewerb!

Den richtet der „Deutsch-Japanische Verein Yawara Lippstadt e.V.“ aus anlässlich seines zehnjährigen Bestehens. Dessen Vorsitzenden, Stefan Großkreuz, habt ihr vielleicht schon mal auf dem Dienstags-Spielabend gesehen in der Ostendorf-Mensa; er schaut dann (leider nur sehr gelegentlich) auf eine Partie Go vorbei. Freuen würde er sich natürlich über eine zahlreiche Teilnahme am Haiku-Wettbewerb! Daher, wenn ihr ab und an mal dichtet – greift zur Feder! Der Einsendeschluss ist am 24.3.2013, es ist also noch Zeit.

Die Einzelheiten der Ausschreibung könnt ihr über die Seite der Deutschen Haiku-Gesellschaft einsehen (wo man ja auch gleich nachschauen kann, wie so ein Haiku „tickt“) oder über die Seite des ausrichtenden Vereins, Yawara Lippstadt.

Und um noch einmal auf die Senryu zurückzukommen, auf die über Go im besonderen – da gibt es eine sehr schöne Seite mit einem Artikel darüber von William Pinkard, Some Senryu about Go. Leider auf Englisch, aber wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte unbedingt vorbeischauen! Ich hänge aus der dortigen Auswahl nur noch ein Beispiel hier an, den Beitrag zu schließen:

Yo fukasi ni
tenjo made ga
go-ban nari

In tiefer Nacht
wird selbst die Zimmerdecke
ein Go-Brett

… und warum das mit „Schach-Brett“ zwar auch, aber nicht halb so gut funktioniert: weiß besagter Artikel.